Mitgliederversammlung von FVE und den Sektionen in Finnland

Vom 11. bis 13. Juni 2026 kamen Vertreter der nationalen Delegationen von FVE und den Sektionen zur Frühjahrsmitgliederversammlung in Rovaniemi, Finnland zusammen
EVERI
Neben den Berichten über die Aktivitäten aus dem Vorstand und den Arbeitsgruppen lag der Fokus auf der Diskussion zu den künftigen Schwerpunkten der EVERI-Aktivitäten. Die Strategie für die nächsten drei Jahre soll nach den Vorstandwahlen der Sektion im November 2026 weiterentwickelt werden.
Im aktuellen Berichtszeitraum setzte sich der Vorstand dafür ein, die Anerkennung der Sektion mit den tierärztlichen Tätigkeitsfeldern in Aus- und Weiterbildung, Forschung und Industrie in den FVE-Aktivitäten weiter fest zu verankern.
EVERI trug zum FVE-Positionspapier zur stärkeren Einbindung der Impfung in die Tierseuchenbekämpfung bei. Unterstützt wurde die Erarbeitung eines Hintergrundpapieres zu ‚Raw Meat based Diet‘. Ziel ist die aktuellen Erkenntnisse zu ernährungsphysiologischen, mikrobiologischen, parasitologischen und klinischen Aspekten der Rohfütterung zusammenzustellen und sinnvolle und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für Tierärzte und Tierhalter zu diesem Thema zu geben.
EVERI trug in den Arbeitsgruppen zu Tierarzneimitteln und Veterinary Public Health & Nachhaltigkeit aktiv bei. Neu geformt wurde eine Arbeitsgruppe „Animal Health“, die das FVE-Engagement in politischen Prozessen auf EU- und internationaler Ebene rund um die Förderung der Tiergesundheit unterstützen soll. Die Arbeitsgruppe soll sich insbesondere mit Kernbereichen der Umsetzung und Evaluierung des Tiergesundheitsrechts (AHL), der Stärkung und Weiterentwicklung der „Day-1“-Kompetenzen zur Biosicherheit bei Tieren sowie der Präventions- und Überwachungsmaßnahmen und der Förderung wirksamer Impfstrategien befassen.
Dr. Lennart Golbeck wurde als EVERI-Repräsentant in die Arbeitsgruppe berufen.
Die Arbeitsgruppe zu Tierarzneimittel trug fachlich zu der Frage der Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln bei. Durch die Vorstellung praktischer Konsequenzen durch FVE wurde die neue flexiblere Perspektive der europäischen Kommission zu den Vorgaben des Art. 106 der EU-Tierarzneimittelverordnung (Anwenden wie zugelassen) wesentlich beeinflusst. Außerdem unterstützte die Arbeitsgruppe bei der Erfassung therapeutischer Lücken verschiedener Tierarten und möglicher Lösungen, dies insbesondere für Schafe und Ziegen. Zahlreiche Stellungnahmen zu verschiedenen Gesetzesvorhaben und CVMP-Leitlinien wurden erarbeitet.
Mit Erreichen des maximalen Berufungszeitraum schied Dr. Sabine Schüller als langjährige EVERI-Delegierte aus der Arbeitsgruppe zu Tierarzneimitteln aus. Neu aufgenommen wurde als EVERI-Delegierter Pieter-Jan Serreyn, AnimalhealthEurope, Belgien.
EVERI ist außerdem vertreten in der Arbeitsgruppe „Statutory bodies“, die sich mit prinzipiellen Fragen des Berufsstandes befasst. In der Arbeitsgruppe werden derzeit der Code of Conduct für den Berufsstand, aber auch aktuelle Entwicklungen, wie z.B. die zunehmend aufkommenden Klinikketten und deren Auswirkungen auf die Berufsausübung beraten.
Künstliche Intelligenz und der Einfluss auf Lehre, Forschung und Industrieaktivitäten war Gegenstand weiterer Diskussionen. Eine Umfrage zeigte, dass Studenten sich noch nicht ausreichend auf den Einfluss und die Nutzung von KI vorbereitet sehen. In Vorträgen wurde
ein umfassender Einblick gezeichnet über die Bedeutung der KI in der Lehre und der Industrie. Zu letzterem wurde im Speziellen der Nutzen für F&E, regulatorische Implikationen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle betrachtet.
Berichtet wurde über gemeinsame Aktivitäten von EVERI mit der internationalen Studentenvereinigung (IVSA). Im Kontext wurde entschieden, dass EVERI gemeinsam mit FVE ein Praktikum anbieten wird, um einen Einblick in die verschiedenen Funktionen in einem pharmazeutischen Unternehmen gewinnen zu können.
FVE-Generalversammlung
FVE blickt auf einen äußerst aktiven Berichtszeitraum mit intensivem Austausch mit verschiedenen europäischen Institutionen, Behörden und Interessengruppen zurück. Besondere Schwerpunkte waren die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln und die Auslegung der Vorgaben der EU-Tierarzneimittelverordnung zur Anwendung gemäß der Zulassungsvorgaben. Außerdem brachte FVE über das europäische Parlament einen neuen Impuls zur Interpretation der nach der Tiergesundheitsgesetzgebung vorgeschriebenen tierärztliche Bestandsbesuche ein. Fortgesetzt wurde das Bemühen zur frühzeitigen Erkennung und der Kontrolle von Tierseuchenausbrüchen unter Einbeziehung der Impfung.
Unter Organisation von FVE wird hierzu am 01.07.2026 eine Veranstaltung mit dem Titel „The True Cost of Animal Disease: Animal Welfare, Public Health and Sustainability in the EU“ stattfinden. Die von den Europaabgeordneten Tilly Metz (Grüne) und Paulo do Nascimento Cabral (EVP) gemeinsam ausgerichtete Diskussion soll untersuchen, inwiefern eine Verlagerung der EU-Politik hin zu Prävention und Vorsorge, basierend auf den Prinzipien von One Health und One Welfare, eine wertvolle Investition in die Zukunft darstellt.
Taina Aaltonen, CVO Finnland, Ministerium für land- und Forstwirtschaft adressierte in ihrem Grußwort den Nutzen der fortschreitenden Digitalisierung für die tiermedizinischen Tätigkeiten und die Zusammenarbeit über weite Distanzen und zu abgelegenen Orten Sie ging auf national relevante Tierseuchenausbrüche, u.a. bei Pelztieren in der Covid-Pandemie in Finnland ein. Sie unterstrich dabei den Nutzen der Impfung neben hohen Standards zur Biosicherheit bei der Bekämpfung von Tierseuchen. Nachdrücklich betonte sie die Notwendigkeit von abgewogenen, risikobasierten Ansätzen zur Lebensmittelsicherheit und dem Verbraucherschutz.
Dr. Petra Sindern, 1. Vizevorsitzende des bpt, gab als europäische Vertreterin bei der Welttierärzteorganisation einen kurzen Überblick über deren Aktivitäten und die komplexen Abstimmungsprozesse auf globaler Ebene. Sie ist derzeit Vorsitzende der Arbeitsgruppe zum Tierschutz. Hier wird in Kürze ein Positionspapier zu Empfindungsfähigkeit für bewusste Erfahrungen bei Tieren verabschiedet werden. WVA hat sich bereits zu zahlreichen Tierschutzthemen geäußert.
Mögliche Bedrohungen durch biologische Waffen sowie regionale Erfahrungen zur Katastrophenvorsorge wurden durch Olli Jokinen, Tierarzt in den finnischen Verteidigungsstreitkräften, vorgestellt. Neben biologischen Waffen nehmen heute Angriffe auf die Wasserversorgung, Hygiene- und Desinfektionseinrichtungen sowie Gesundheitsinfrastrukturen an Bedeutung zu. Dennoch wurde es als wichtig angesehen, dass Tierärzte sich der möglichen biologischen Gefahren bewusst sind und frühe Indikatoren erkennen können.
Nancy de Briyne, FVE-Geschäftsführerin, stelle die vorläufigen Ergebnisse des 4. Demographischen Berichtes über den tierärztlichen Berufsstand vor. Die Ergebnisse basieren auf der Rückmeldung aus 39 Ländern. Tierärzte sind nach wie vor sehr zufrieden mit ihrer Berufswahl. Die „Work/Life Balance“ wurde gleichartig wie bei der letzten
Befragung bewertet, auch wenn das Stressniveau immer noch hoch ist. Zurückgegangen ist auch die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit sowie die Zeiten außerhalb der täglichen offiziellen Arbeitszeiten. Nach wie vor fühlen sich junge Tierärzte nicht ausreichen mit Fertigkeiten für den tierärztlichen Alltag ausgestattet. Der Bedarf nach Ausbildung in den nicht-klinischen Bereichen (Betriebswirtschaft, Kommunikation, Digitalisierung) bleibt hoch. Verstärkt hat sich die Etablierung von Klinikketten in Portugal, Griechenland und Kroatien. Insgesamt scheint sich dieser Trend jedoch verlangsamt zu haben.
Der neue demografische Bericht soll nach finaler Abrundung im September veröffentlicht werden.
Ergänzt wurde dieser Einblick durch die Ergebnisse einer Befragung über die Berufswahl von Veterinärmedizinstudierenden durch IVSA, der internationalen Studentenorganisation, in Kooperation mit FVE. Außerdem berichteten Vertreter der verschiedenen Berufsrichtungen über aktuelle Programme wie Praktika, Beihilfen, Stipendien oder staatlicher Förderung, mit dem Ziel die tierärztliche Versorgung und dies insbesondere im ländlichen Raum zu verbessern.
Berichtet wurde über die umfangreichen Aktivtäten von FVE und den Arbeitsgruppen. zu den Gebieten Tierschutzfragen, Tiergesundheit- und Tierarzneimittelgesetzgebung sowie Public Health & Nachhaltigkeit.
Nicht fehlen durfte ein Bericht über die Besonderheiten und aktuelle Herausforderungen der Rentierhaltung in Lappland durch Hanna Nurmi, Geschäftsführerin des Verbandes der Rentierhalter in Finnland. Der Bericht wurde durch einen Besuch einer Rentierhaltung im Rahmen der Versammlung komplettiert.
Die nächsten Generalversammlungen sind für den 13. – 15.- November 2026 in Brüssel und für 18. – 19. Juni 2027 in Garmisch-Partenkirchen geplant. Weiterhin bereits geplant ist die Herbstdelegiertenversammlung für den 26. – 27 November 2028 in Löwen, Belgien.

Bericht verfasst von Dr. Sabine Schüller