Serie zum Berufsbild von Industrietierärzt:innenTierärzt:innen in der Zulassung und Pharmakovigilanz


Die Fachgemeinschaft der Industrietierärzte (FIT) setzt sich seit über 30 Jahren für Tierärztinnen und Tierärzte ein, die jenseits von kurativer Praxis und öffentlichem Dienst in der freien Wirtschaft tätig sind. Dazu gehören auch Kolleg:innen, die in der veterinärpharmazeutischen Industrie im Bereich Tierarzneimittelzulassung und Arzneimittelsicherheit (Pharmakovigilanz) arbeiten.

Dieses Berufsfeld zählt zu den weniger sichtbaren, zugleich aber unverzichtbaren Bereichen der Tiermedizin. Es verbindet veterinärmedizinische Fachkenntnis mit regulatorischen Anforderungen und wissenschaftlicher Bewertung. Ziel ist es, Tierarzneimittel so zu entwickeln und zu prüfen, dass sie bei der Anwendung in der tierärztlichen Praxis wirksam, sicher und regelkonform zur Verfügung stehen.

Die Rolle der veterinärpharmazeutischen Industrie ist dabei zentral. Ohne die Arbeit von Industrietierärzt:innen könnten neue Produkte weder in der erforderlichen Qualität entwickelt noch zugelassen werden. Erst das Zusammenspiel von Forschung und Entwicklung, Zulassung, Qualitätssicherung und Pharmakovigilanz schafft die Voraussetzungen dafür, dass moderne Therapieoptionen überhaupt in der Praxis ankommen. Die Industrie leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Tiermedizin.

Im Bereich der Tierarzneimittelzulassung stehen die Entwicklung und Umsetzung von Registrierungsstrategien im Vordergrund. Dazu gehören die Bewertung von Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit eines Arzneimittels, die Erstellung und Prüfung der erforderlichen Dossiers sowie deren Einreichung bei nationalen und internationalen Behörden. Tierärzt:innen in diesem Bereich arbeiten eng mit Kolleg:innen aus Forschung und Entwicklung, klinischer Forschung und Qualitätssicherung sowie der Pharmakovigilanz zusammen. Sie tragen dazu bei, dass neue Produkte und neue Indikationen erfolgreich in den Markt gelangen.

In leitenden Funktionen umfasst die Verantwortung die Koordination regulatorischer Aktivitäten in einer Region, die fachliche Führung von Teams sowie die Steuerung von Zulassungen, Verlängerungen, Variationen und weiteren Verfahren. Hinzu kommt die Entwicklung von Registrierungsstrategien, die sich an Unternehmenszielen, regulatorischen Vorgaben und zeitkritischen Markterfordernissen orientieren. Wer in diesem Umfeld arbeitet, braucht fachliche Präzision, strategisches Denken und die Fähigkeit, komplexe Prozesse über Ländergrenzen hinweg zu steuern.

Die Pharmakovigilanz bildet einen zweiten zentralen Baustein dieses Berufsbildes. Sie umfasst die Erfassung, Bewertung und Analyse unerwünschter Arzneimittelwirkungen sowie die laufende Überwachung des Nutzen-Risiko-Profils zugelassener Tierarzneimittel. Damit trägt sie wesentlich dazu bei, Sicherheit und Wirksamkeit veterinärmedizinischer Produkte auch nach der Markteinführung zu gewährleisten. Für die tierärztliche Praxis ist dies von hoher Bedeutung: Die dort eingesetzten Arzneimittel müssen nicht nur verfügbar, sondern auch verlässlich überwacht und kontinuierlich bewertet sein.

Gerade leitende Industrietierärzt:innen in den Pharmakovigilanz-Abteilungen der veterinärpharmazeutischen Industrie übernehmen hierbei eine Schlüsselfunktion. Sie sorgen dafür, dass regulatorische und sicherheitsrelevante Themen frühzeitig erkannt, fachlich eingeordnet und in geeignete Maßnahmen überführt werden. Die Aufgabe endet damit nicht mit der Zulassung, sondern begleitet den gesamten Lebenszyklus eines Produkts.

Der Arbeitsalltag ist analytisch, strukturiert und interdisziplinär geprägt. Gefordert sind die Bewertung veterinärmedizinischer Daten, die Erarbeitung fachlicher und behördlicher Unterlagen, die Abstimmung mit internen und externen Ansprechpartnern sowie die Steuerung komplexer Abläufe. Kommunikationsstärke, Belastbarkeit und Entscheidungsfähigkeit sind dabei ebenso wichtig wie Sorgfalt und Detailgenauigkeit. Das Berufsfeld ist international ausgerichtet. Die Arbeit mit internationalen Richtlinien, unterschiedlichen Behördenstrukturen und länderübergreifenden Teams eröffnet ein breites inhaltliches Spektrum und gute Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb globaler Unternehmensstrukturen.

Tierärzt:innen, die in der Zulassung und Pharmakovigilanz tätig sind, bringen ihre Fachkompetenz nicht in der direkten Patientenversorgung, sondern an einer anderen, für die Tiergesundheit ebenso wichtigen Stelle ein. Sie schaffen die Grundlage dafür, dass sichere, wirksame und innovative Tierarzneimittel in die Praxis gelangen und dort verantwortungsvoll eingesetzt werden können. Für Kolleg:innen, die eine anspruchsvolle Tätigkeit an der Schnittstelle von Wissenschaft, Regulierung und Unternehmenspraxis suchen, bietet dieses Feld vielfältige Perspektiven.

Autorin: Dr. med. vet. Isabelle Berthommé

Dieser Beitrag wurde auch im DTBl September 2026 veröffentlicht.