Die Arbeit von Tierärztinnen und Tierärzten in Verbänden

Die Fachgemeinschaft der Industrietierärzte (FIT) setzt sich seit über 30 Jahren für Tierärztinnen und Tierärzte ein, die jenseits von kurativer Praxis und öffentlichem Dienst in der freien Wirtschaft tätig sind – dazu gehören auch KollegInnen, die hauptberuflich in vielfältigen Verbänden, Organisationen und Interessenvertretungen arbeiten.

Verbandsarbeit als „industrietierärztliche“ Tätigkeit ist ein spannendes, aber oft wenig bekanntes Berufsfeld. Hier wirken Tierärztinnen und Tierärzte an der Schnittstelle zwischen Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Ob in tierärztlichen, humanmedizinischen, landwirtschaftlichen, lebensmittelwirtschaftlichen oder auch pharmazeutischen Verbänden (national und international) – sie gestalten mit tierärztlichem Sachverstand Rahmenbedingungen für Tiergesundheit, Tierschutz, Lebensmittelsicherheit, Nachhaltigkeit, Arzneimittelentwicklung oder Verbraucherschutz aktiv mit.

Die Aufgaben sind vielfältig: Sie reichen von wissenschaftlicher Beratung, Kommunikation und Marketing über Projekt- und Fortbildungsmanagement bis hin zur Interessenvertretung in Gesetzgebungsverfahren. Tierärzte und Tierärztinnen können dabei ihre breite naturwissenschaftliche Ausbildung, ihr Verständnis für komplexe Systeme und ihren praxisorientierten Blick auf Umsetzbarkeit einbringen.

In Gremien, Arbeitsgruppen und Netzwerken vertreten sie die fachlichen Positionen ihrer Organisation, koordinieren den Netzwerk-Austausch mit anderen Verbänden, Behörden und Politik und wirken an der Entwicklung von Positionspapieren, Leitlinien, Stellungnahmen und Fachveranstaltungen mit. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Dialog zwischen Praxis, Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Tätigkeit in Verbänden verlangt Kommunikationsstärke, Fachkunde, interdisziplinäres Denken, und diplomatisches Geschick. Gleichzeitig eröffnet sie je nach Themenschwerpunkt die Möglichkeit, langfristige Entwicklungen mitzugestalten und Verantwortung über den eigenen Tätigkeitsbereich hinaus zu übernehmen. Viele Tierärztinnen und Tierärzte erleben die Nische der hauptberuflichen Verbandsarbeit daher als bereichernde Erweiterung des tierärztlichen Berufsbildes – mit Gestaltungsspielraum, strategischer Tiefe und gesellschaftlicher Relevanz.

Die FIT möchte die Vielfältigkeit der industrietierärztlichen Berufsfelder stärker sichtbar machen. Denn gerade die Tätigkeit von Tierärzten und Tierärztinnen in Verbänden ist nicht nur eine organisationsspezifische Interessenvertretung, sondern sie sind Brückenbauer eines verantwortungsvollen Miteinanders von Mensch, Tier und Umwelt. Sie prägen häufig die Schnittstellen, an denen Innovation, Regulierung und Praxis zusammenfinden und tragen damit entscheidend dazu bei, dass tierärztliche Perspektiven in der öffentlichen Diskussion gehört werden.

Autor/Autorin: Dr. Stefan von Rüden; Dr. Sabine Schüller

Dieser Beitrag wurde auch im DTBl Ausgabe 01/2026 veröffentlicht.